Nachdem ich mich im Januar bereits mit dem historischen Imperialismus beschäftigt habe, möchte ich nun eine moderne Imperialismustheorie von David Harvey vorstellen. Harvey ist US-amerikanischer Geologe und -natürlich- Marxist, er beschäftigt sich also aus marxistischer Perspektive mit der ländlichen Ausbreitung des Kapitalismus.
3 Phasen des US-Imperialismus
Harvey unterschiedet zwischen drei verschiedenen Formen US-imperialistischer Tätigkeit:
I.Phase:
Diese Phase hatte ihre Hochzeit bis ca. 1970. Sie ist gekennzeichnet durch eine indirekte Kontrolle anderer Staaten durch Kompradorenregierungen. Die USA geben Präsidenten v.a. von lateinamerikanischen Staaten Finanz- und Militärhilfen, dafür tut dieser, was die US-Regierung von ihm verlangt. Dieses Bündnis gewährleistet die Ausbeutung der betroffenen Staaten durch die Regierung selbst (private Bereicherung) und durch US-amerikanische Konzerne. Es besteht also eine Mischung aus Zwang und Konsens mit irgendeiner oligarchisch herrschenden Gruppe.
Als Paradebeispiele lassen sich Nicaragua unter Präsident Somoza und das damalige Persien unter dem Shah anführen.
Die II.Phase lässt sich von den 70ern bis zu den 90ern datieren. Harvey nennt diese Form den "neoliberalen Imperialismus". Man bedient sich hier der Macht des Finanzkapitals, manifestiert in Organisationen wie der WTO und des IWF. Durch Strukturanpassungsprogramme soll das neoliberale Freihandelsmodell weltweit durchgesetzt werden, d.h. offene Kapitalmärkte, offene Warenmärkte, keine Schranken für ausländische Investitionen etc. Immer, wenn Staaten in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, mussten sich diese an das IWF wenden, um Kredite gewährt zu bekommen. Der IWF gewährt diese Kredite aber nur, wenn die betroffenen Staaten im Gegenzug privatisieren, soziale Leistungen kürzen und ihre Kapitalmärkte liberalisieren, d.h. öffnen.
Paradebeispiel: Der Sturz Allendes in Chile und Ersetzung durch den US-hörigen Faschisten Pinochet. Chile wurde zum Experimentierfeld der Chicagoer Schule, das Modell des neoliberalen Wirtschaftssystems wurde hier zum ersten Mal vollständig durchgeführt (totale Privatisierungen).
Zu beachten ist, dass dies kein exklusiv amerikanisches Modell ist, sondern von anderen zentralen kapitalistischen Mächte wie die EU und Japan unterstützt wird.
Die III.Phase ist die gegenwärtige und wird als "neokonservativer Imperialismus" bezeichnet. Dieser neokonservativer Imperialismus ist nicht in Abgrenzung zum neoliberalen Imperialismus zu sehen, sondern als ihr Bestandteil. Die neokonservative Form des US-Imperialismus kennzeichnet sich nur dadurch, dass es vermehrt versucht, die neoliberale Wirtschaftsordnung mit militärischen Gewaltmaßnahmen und direkten Interventionen durchzusetzen.
Das neokonservative Modell kommt also dort zum Ausdruck, wo sich das neoliberale Modell nicht durch die Druckmittel von IWF und WTO friedlich durchsetzen lässt. Das ist z.B. in Ölstaaten so, die langfristig unabhängig von Finanzhilfen agieren können. So ist das große Interesse der USA an militärischen Interventionen im gesamten Nahen Osten zu erklären. Ölstaaten sind nicht über den IWF zu disziplinieren, sie geraten nicht in Finanzkrisen wie Nicht-Ölstaaten, weshalb das altbewährte Mittel der brachialen Gewalt herhalten muss, um diese Sonderfälle in den liberalisierten Weltmarkt und die neoliberale Weltordnung zu integrieren.
Die Neokonservativen in den USA verheimlichen diese Absicht auch gar nicht. Ihr Ziel ist, im Namen der westlichen Demokratien in der ganzen Region des Nahen Ostens die Freiheit zu verbreiten. Unter Freiheit ist in diesem Fall selbstverständlich nur die Freiheit des Marktes und des Handels zu verstehen. Zitat von G.W.Bush: „Wir haben dem irakischen Volk die Freiheit gebracht, und unsere Vorstellung ist, dem gesamten Mittleren Osten die Freiheit zu bringen.“
Paradebeispiele: Irak, Afghanistan. Das Maßnahmenprojekt für den Irak ist identisch mit dem neoliberalen Modell, welches in Chile bereits verwirklicht worden war.
Diese 3 Phasen des US-Imperialismus greifen selbstverständlich auch ineinander über. Das Konzept der indirekten Kontrolle, also der I.Phase, gilt auch heute noch in einigen Fällen.
Akkumulation durch Enteignung
Das Merkmal des modernen Imperialismus ist die Akkumulation durch Enteignung, was auch die ökonomische Grundlage des neoliberalen Imperialismus bildet. Diese findet statt sowohl im Zentrum als auch in der Peripherie.
Dabei werden besonders im Zentrum auch funktionierende Ökonomien eines Staates Kredite verwehrt und diese so in Ruin getrieben, sodass das Großkapital als „Retter“ Firmen für geringen Preis aufkaufen kann.
Bsp. für Methoden der Akkumulation durch Enteignung:
- Abbau des Sozialstaates bzw. Wohlfahrtsstaates und sozialer Errungenschaften der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung durch Privatisierungen öffentlicher Institutionen, Leistungen und Güter
→ Permanente Enteignung der Bevölkerung an ihren Gemeinschaftsgütern
- Amerikanischen Familienbetrieben wurden im Agrarsektor Kredite verweigert und gingen bankrott. Industriell-agrarische Großunternehmen konnten ihre Betriebe sodann übernehmen
→ Enteignung US-amerikanischer Kleinfarmer
- Mexikanische Kleinbauern wirtschafteten bis in die 90er Jahre mit einer auf Gemeinschaftseigentum basierenden Anbaufläche (indigene Kollektivrechte). Als Mexiko in Finanz- und Schuldenkrisen geriet und die IWF um Kreditunterstützung bat, wurde dem mexikanische Staat von der IWF zur Auflage gemacht, dass er das auf Gemeinschaftseigentum basierende Agrarsystem privatisieren muss. D.h., der mexikanische Staat bekam nur Kredite, da er durch die Armee die Kleinbauern um ihr Land enteignet und ihrer traditionellen Rechten beraubt hat, sodass das US-Agrarbusiness sich dort ansiedeln konnte.
In diesem Fall hatte dies massive Aufstandsbewegungen der Zapatisten in Südmexiko zur Folge, welche wiederum von der mexikanischen Armee auf Druck von der USA niedergeschlagen werden musste.
→ Enteignung der mexikanischen Bauen durch den eigenen Staat und seinem Militär auf Druck des US-Kapitals
Harvey unterscheidet zwischen zwei Arten der kapitalistischen Akkumulation:
I.)Erweiterte Reproduktion: „Normaler“ Akkumulationsvorgang, Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, Mehrwert, Rationalisierungen, Investitionen bzw. technische Modernisierungen etc. Grundlage kapitalistischen Wirtschaftens.
II.)Akkumulation durch Enteignung: Begleitender Akkumulationsfaktor, beruht auf Diebstahl, Betrug und Enteignung. Diesem Akkumulationstyp ist es zu verdanken, dass das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate nicht zum Zusammenbruch des Kapitalismus führt.
In der neoliberalen Phase des Imperialismus nahm der II.Faktor zu, während der I.Faktor -der noch in den 50er und 60er Jahre große Bedeutung hatte- in seiner Bedeutung zumindest für das Zentrum abnahm. Wohlgemerkt handelt es sich bei der II.Phase nur um eine relative Akkumulation. Enteignungen an sich schaffen keine neuen Werte wie die Ausbeutung der Arbeitskraft, sondern verteilt Reichtum, Arbeit und Werte nur um.
→ Polarisierung von Reichtum und Arbeit sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene
→ Anknüpfung an der sg. Ursprünglichen Akkumulation unter Enteignung der Landarbeiter. Die sg. Ursprüngliche Akkumulation hat also nie ein Ende gefunden, sondern besteht bis heute fort.
Schlussfolgerungen:
Der mit dem modernen Imperialismus einhergehende Neoliberalismus ist gekennzeichnet durch eine gigantische Maschinerie der Enteignung (Enteignungsökonomie). Der Enteignungsprozess des Marktes ist als strukturelle Gewalt des heutigen Kapitalismus zu verstehen. Die strukturelle Überakkumulation der Marktwirtschaft lässt sich nur lösen durch eine Erhöhung des Akkumulationpotenzials, also durch Enteignungsprozesse.
Der Staat dient als gewaltsamer Garant des Enteignungsprozesses (Bsp. Agenda 2010, Mexiko)(enge Verflechtung von Kapital und Staat).
Funktion des Staates im modernen Imperialismus:
Schaffung einer Umgebung, in der Akkumulation stattfinden kann. Jeder Staat möchte dabei, dass Kapitalakkumulation auf seinem eigenen Territorium stattfindet („Standortkonkurrenz“.)
→ Permanenter nationalstaatlicher Wettbewerb um die Anlockung von Kapitalakkumulation
Dies bedeutet einerseits, dass die inneren Verhältnisse an diesem Wettbewerb angepasst werden (Abbau von sozialen Rechten, direkte Stärkung des eigenen Standortes), andererseits auch, dass die äußere Welt nach dem neoliberalen Prinzip versucht wird zu strukturieren. So versuchen speziell die USA, andere Staaten unter finanzielle Druckmitteln hinter die neoliberale Fahne zu vereinigen, damit sie in äußeren Sphären fremde Ressourcen erwerben kann (durch den Prozess der Akkumulation der Enteignung). Oder anders ausgedrückt: Das neoliberale Zentrum kann die Peripherie dann am Besten ausbeuten, wenn diese selbst ein neoliberales Wirtschaftsmodell angenommen hat.
Bsp. für direkten Imperialismus:
- Chile 1973 durch CIA-Putsch gegen Allende
- Irak 2003 durch den gewaltsamen Sturz Husseins
- Libyen 2011 durch die militärische Intervention in einem laufenden Bürgerkrieg
Bsp. für indirekten Imperialismus:
- Bsp. Mexiko
Eine neue antiimperialistische Strategie muss sich zunehmend zwischen den Fronten stellen. Der klassische Konflikt der politischen Linken zwischen Verbreitung von Menschenrechten und Sicherung des Friedens muss im Falle Libyens so gelöst werden, dass der militärische Angriff der NATO-Staaten nicht kritisiert werden kann, ohne das libysche Regime zu kritisieren.
Willkommen in der virtuellen Welt in Rot
Dieser Blog dient mehrerer Funktionen:
Einerseits um mit mir selbst ins Reine zu kommen, andererseits um interessierte Leser an den wissenschaftlichen Sozialismus von Karl Marx und Friedrich Engels heranzuführen.
Neben ideologischen Fragen werden hier bei Bedarf auch Themen aus der Alltagspolitik versucht darzustellen.
Einerseits um mit mir selbst ins Reine zu kommen, andererseits um interessierte Leser an den wissenschaftlichen Sozialismus von Karl Marx und Friedrich Engels heranzuführen.
Neben ideologischen Fragen werden hier bei Bedarf auch Themen aus der Alltagspolitik versucht darzustellen.
Posts mit dem Label Imperialismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Imperialismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 12. April 2011
Montag, 3. Januar 2011
Der historische Imperialismus
Begriff und Zusammenhang mit der kapitalistischen Ökonomie
Imperialismus bedeutet eigentlich Weltreich- / Kolonialreich- Billdung nach dem Imperium Romanum der Antike. Eine Macht beherrscht die damals bekannte Welt. Heute wird damit die Zeitspanne zwischen 1870 und 1914 bezeichnet. Das besondere an dieser Epoche war, dass sich viele Mächte (Europa, USA, Japan) gleichzeitig am Wettlauf um die - wie man glaubte- endgültige Verteilung über die überblickbar gewordene Welt, beteiligten. Um der Konkurrenz in einer sich industrialisierenden Welt gewachsen zu sein, glaubten die Protagonisten, große Teile der Erde als Rohstofflieferanten und/oder Absatzmärkte beherrschen zu müssen.
Der technische Fortschritt schaffte durch die industrielle Revolution die Voraussetzungen zum Imperialismus. Bessere Waffen (Maschinengewehr), stärkere Transportsysteme (Eisenbahn und Stahlschiff) und schnellere Kommunikationssysteme (Telegraphie) ermöglichten die Beherrschung großer Räume durch wenige Menschen und die Nutzung und den Abtransport von Ressourcen. Der technische Vorsprung bewies die scheinbare Überlegenheit der Weißen, da nur diese im Besitz der neuen Techniken waren. Die Kulturen der "Eingeborenen" wurden zerschlagen und europäische Denkweisen (Egoismus, Gewinnstreben, Fortschrittsgläubigkeit, Freiheitsideal) eingeführt.
Der Imperialismus als Begriff dient kommunistischen Theoretikern wir Luxemburg oder Lenin als Identifikation mit dem Kapitalismus, wobei Lenin den Imperialismus als das höchste Stadium des Kapitalismus ansah, in dessen Phase er zusammenbrechen müsse und dem Sozialismus Platz mache.
Durch die Industrialisierung der westlichen Welt kam es Ende des 19. Jh. zu einer politischen wie ökonomischen Hegemonie westlich-europäischer Staaten über weniger industrialisierter bzw rein agrarischer Staaten.
Der Begriff des Imperialismus steht außenpolitisch also stets im Zusammenhang zum Kolonialismus (Bestreben entwickelter Staaten, jenseits der eigenen Grenzen unterentwickelte Gebiete politisch, wirtschaftlich und kulturell zu beherrschen). So kommt es, dass man mit dem Imperialismus heute auch eine Zeitepoche verbindet (1880-1914), wo europäische Großmächte ihre Kolonien expansiv ausweiteten und dabei in gegenseitiger Konkurrenz standen (deshalb antagonistische Expansion). Der Antagonismus (unversöhnlicher Widerspruch bzw Gegensatz, Vergleich Bourgeoisie & Proletariat) ist dafür verantwortlich, dass im Zuge des Imperialismus keine Monopolstellung zustande kam und auch kein einheitlicher Weltimperialismus entstand, weshalb die nationalstaatlichen Widersprüche der ersten ökonomischen Globalisierung in den I.Weltkrieg mündete. Großmächte brauchten Kolonien, um genügend Prestige zur Anerkennung zu haben.
Der I.Weltkrieg war deshalb eine historische Notwendigkeit, da ddie kapitalistische Ökonomie 1914 eine große Blase war, welche durch den Krieg geplatzt ist (Beginn der Weltwirtschaftskrise nicht 1929, sondern 1914). Der nationalstaatliche Wettbewerb und das Aufkommen der Spannungen begann allerdings erst in der 2. Phase des Imperialismus, denn solange noch genügend „freier Raum“ zur Verfügung stand, verstanden sich die imperialistischen Großmächte als „Freunde“ und konnten zu einer Deeskalation der Spannungen beitragen.
Diese ökonomische Blase kam auch deshalb zustande, weil der im Imperialismus entstandene Nationalismus Staaten zwang, auch wenig ertragreiche Kolonien zu okkupieren, nur um den Ruf als Großmacht zu festigen. Die politische Eroberung verschiedener Kolonien war ökonomisch kontraproduktiv (Verwaltung & Besatzung > wirtschaftlicher Ertrag, Ressourcenausbeutung), da die Spekulation nach Gewinn ein größerer Antrieb war als nüchterne wirtschaftliche Einschätzungen (→ Spekulationsblase → ökonomische Instabilität → I.Weltkrieg). Der ökonomische Unsinn des Protektionismus durch Imperialismus beweist die Tatsache, dass für jedes imperialistische Land der Tauschhandel und die Kapitalinvestitionen mit ihren Kolonien nur eine sekundäre Rolle spielte, primär war immer noch der Handel mit den Nationalstaaten untereinander (Import und Export mit Kolonien reichte nie über 20%, Frankreich investierte mehr Kapital in Russland als in seinen Kolonien). Bevor der imperialistische Antagonismus in den I.Weltkrieg mündete, stand 84,4% der Erdoberfläche unter weißer Herrschaft, 1/5 der Weltfläche waren Kolonien. Das British Empie besaß 30 Millionen Km², Frankreich 8 Millionen Km² und Deutschland 3 Millionen Km² (2010: 357.023 Km²).
1914 ist die kapitalistische Weltordnung zusammengebrochen. Das nahm die Form eines Krieges an, aber dem Ausbruch des militärischen Konflikts zwischen den europäischen Mächten lag der Zusammenbruch der ökonomischen Grundlagen zugrunde, auf denen die vorherige relative Stabilität beruht hatte.
Der kapitalistische Zusammenbruch von 1914 mündete in eine Epoche revolutionärer Kämpfe, obwohl das unmittelbar keineswegs offensichtlich war. Als Lenin 1915 die objektiven Bestandteile einer revolutionären Situation untersuchte, war sein Name erst wenigen Menschen bekannt. Gegen den Verrat der Sozialdemokraten, die sich hinter ihre jeweils eigene herrschende Klasse gestellt hatten, betonte Lenin, dass der Krieg die sozialistische Revolution auf die historische Tagesordnung gestellt hatte. Der Zusammenbruch des Kapitalismus ist nicht einfach eine Wirtschaftskrise. Er bedeutet den Beginn einer neuen Epoche, in der das Schicksal der Gesellschaft für die nächsten Jahrzehnte entschieden wird. Das Jahr 1914 signalisierte den ersten großen Zusammenbruch der kapitalistischen Ordnung.
Als die kapitalistische Wirtschaftsordnung bereits Ende des 19. Jahrhunderts stark wankte (Große Depression), konnte sie sich durch den ökonomischen Imperialismus retten. 1914 allerdings war die koloniale Aufteilung der Welt abgeschlossen, das Kapital hatte keine territoriale Rückzugsmöglichkeiten mehr. Der Markt war aufgeteilt, der Wettbewerb erreichte seine höchste Steigerungsform und von da ab versuchten die kapitalistischen Länder einander vom Staat nur mit mechanischen Mitteln zu vertreiben. Der Ausweg war nur der Weltkrieg, in der überflüssiges Produktionsmaterial vernichtet werden konnte und genügend Arbeitskräfte verschwanden, um das drohende Heer der Arbeitslosen zu verhindern. Der Weltkrieg war eine Revolte der Produktivkräfte gegen die nationalstaatliche Struktur des Weltkapitalismus. Der einzige weitere Ausweg wäre die Antwort der Proletariats auf die inneren Widersprüche des Kapitals gewesen – die soziale Revolution. Der Krieg beendete nicht den Aufschwung, vielmehr endete das Ende des Aufschwungs im Krieg, da die Prodktivkräfte in Europa sich nicht mehr unter gegebenen Umständen weiter entwickeln konnten.
Begründet wurde der Imperialismus mit einer kulturellen Überlegenheit der eigenen Rasse vor der unterworfenen Rasse (Sendungsbewusstsein & Überlegenheitsgefühl). Die Folgen des Wettlaufs um Kolonien war es, dass die Weißen kulturelle Gegebenheiten der afrikanischen Bevölkerung missachteten und die Grenzen per Bleistift und Lineal zogen, was noch heute zu erkennen ist. Außerdem zerstörten sie aufgebaute Wirtschaftsstrukturen, beuteten vorhandene Rohstoffe aus und nutzten die Kolonien als Absatzmärkte ihrer Produkte, es entstanden in den Kolonien Monokulturen. Dies wurde meist versucht mit einem friedenssichernden, missionarischen oder zivilisatorischen Willen zu verdecken.
Der Imperialismus entstand, als die Wirtschaftskrise von 1873 liberale Wirtschaftsgrundsätze vernichtete und einen Rückfall in das merkantilistische Denken brachte. So wurde wieder eine nationalstaatliche Zollgesetzgebung eingeführt und Wirtschaftsprotektionismus stand auf der Tagesordnung westlicher Industriestaaten. Dieser Protektionismus sollte durch koloniale Ausbeutung verwirklicht werden (neue Absatzmärkte, Rohstoffgebiete & Siedlungsgebiete). Der Imperialismus steht also im Zusammenhang mit demographischen, ökonomischen und nationalpsychologischen Gründen, wobei die Kolonien selbst nicht als Siedlungsland eine primäre Rolle spielten. Der Großteil der eigenen Bevölkerung wanderte nach Nordamerika aus (Ausnahme Russland).
Nicht selten behielten die neuen Absatzmärkte ihre politische Souveränität während dieser ersten Globalisierungswelle (zB China, welches weiterhin als selbstständiges Kaiserreich galt, aber so von imperialistischen Mächten ausgebeutet wurde, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts zum Boxeraufstand der Chinesen kam), was eine indirekte Herrschaft durch Marionettenregierungen und Verpflichtung zur wirtschaftlichen Gefolgschaft kennzeichnet.
Es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass eine imperialistische Außenpolitik von sozialer Instabilität im Innern ablenken sollte (Sozialimperialismus).
Die Entstehung des neuzeitlichen Kapitalismus war kein friedlicher, sondern ein zutiefst gewaltsamer Prozess, über dem Marx im „Kapital“ schrieb:
„Wenn das Geld mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt, so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend.“
Lenins Imperialismustheorie
Der Imperialismus ist ein
- monopolistischer Kapitalismus
- parasitärer oder stagnierender Kapitalismus
- sterbender Kapitalismus
Der Imperialismus hat den Zweck, die freie Konkurrenz auf dem Markt abzuschaffen zugunsten einzelner Monopolindustrien. Begründet wird die Theorie wie folgt:
- die Konzentration des Kapitals erreichte eine Stufe, auf der verschiedene Kartelle (Zusammenschluss selbstständig bleibender Unternehmen oder sonstiger Marktakteure zur Beschränkung ihres Wettbewerbs) und Trusts (vertraglich vereinbarter Zusammenschluss mehrerer Unternehmen) hervorgingen
- die monopolistische Stellungen verschiedener Großbanken ( 3-5 Großbanken beherrschen das Wirtschaftsleben der westlichen Industrienationen)
- der Besitzergreifung der Rohstoffquellen durch die Trusts und der internationalen Finanzoligarchie (Finanzkapital ist monopolistischen Industriekapital, welches mit dem Bankkapital verschmolzen ist)
- Die Verschmelzung der Bank- und Industriekapitals zum Finanzkapital
- die wirtschaftliche Aufteilung der Welt unter den internationalen Kartellen, welche den Weltmarkt beherrschen und diesen friedlich aufteilen
- die territoriale Aufteilung der Welt ist abgeschlossen. Die Ausbeutung der Kolonien verwandelt die zivilisierte Welt in einen Schmarotzer auf den Kolonien der unzivilisierten Völker.
Vor dem Imperialismus war es richtig zu sagen, die Gesellschaft lebt auf den Kosten des modernen Proletariats. Im Imperialismus ist es richtig zu sagen, eine privilegierte Schicht des Proletariats lebt zum Teil auf Kosten der Massen der nichtzivilisierten Völker.
Der Imperialismus ist der sterbende Kapitalismus, weil das aus dem Kapitalismus erwachsene Monopol das Absterben des Kapitalismus und den Übergang zum Sozialismus bedeutet.
Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daß daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten. Zugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte. Das Monopol ist der Übergang vom Kapitalismus zu einer höheren Ordnung.
Bezug auf Deutschland
Nachdem das Deutsche Reich politisch entstand, entwickelte es sich schnell zu einer hegemonialen Industriemacht. Bismarck versuchte durch seine Außenpolitik keine Expansion Deutschlands vorzubereiten, sondern er vollführte eine konsequente Friedenspolitik, da Deutschlands Hegemonie nur relativ und damit instabil war. Ebenso verzichtete er auf einen kolonialen Wettbewerb, um Deutschland vor dem imperialistischen Antagonismus zu schützen (Deutsche Saturiertheit). Da die außenpolitischen Kämpfe und Richtungen sehr bald aber allein von imperialistischen Interessen geleitet wurde, war es für das Reich immer schwerer, sich aus dem Ringen kolonialer Expansion herauszuhalten. Die Forderung des deutschen Kleinbürgertums, des Bildungsbürgertums und des Adels nach einem Platz an der Sonne (Gründung des alldeutschen Verbandes 1891 als präfaschistischer Verein, der die theoretischen Grundlage für die Herrenrassen-Ideologie der späteren Nationalsozialisten legte) verschwierigte die Situation noch zusätzlich.
Imperialismus bedeutet eigentlich Weltreich- / Kolonialreich- Billdung nach dem Imperium Romanum der Antike. Eine Macht beherrscht die damals bekannte Welt. Heute wird damit die Zeitspanne zwischen 1870 und 1914 bezeichnet. Das besondere an dieser Epoche war, dass sich viele Mächte (Europa, USA, Japan) gleichzeitig am Wettlauf um die - wie man glaubte- endgültige Verteilung über die überblickbar gewordene Welt, beteiligten. Um der Konkurrenz in einer sich industrialisierenden Welt gewachsen zu sein, glaubten die Protagonisten, große Teile der Erde als Rohstofflieferanten und/oder Absatzmärkte beherrschen zu müssen.
Der technische Fortschritt schaffte durch die industrielle Revolution die Voraussetzungen zum Imperialismus. Bessere Waffen (Maschinengewehr), stärkere Transportsysteme (Eisenbahn und Stahlschiff) und schnellere Kommunikationssysteme (Telegraphie) ermöglichten die Beherrschung großer Räume durch wenige Menschen und die Nutzung und den Abtransport von Ressourcen. Der technische Vorsprung bewies die scheinbare Überlegenheit der Weißen, da nur diese im Besitz der neuen Techniken waren. Die Kulturen der "Eingeborenen" wurden zerschlagen und europäische Denkweisen (Egoismus, Gewinnstreben, Fortschrittsgläubigkeit, Freiheitsideal) eingeführt.
Der Imperialismus als Begriff dient kommunistischen Theoretikern wir Luxemburg oder Lenin als Identifikation mit dem Kapitalismus, wobei Lenin den Imperialismus als das höchste Stadium des Kapitalismus ansah, in dessen Phase er zusammenbrechen müsse und dem Sozialismus Platz mache.
Durch die Industrialisierung der westlichen Welt kam es Ende des 19. Jh. zu einer politischen wie ökonomischen Hegemonie westlich-europäischer Staaten über weniger industrialisierter bzw rein agrarischer Staaten.
Der Begriff des Imperialismus steht außenpolitisch also stets im Zusammenhang zum Kolonialismus (Bestreben entwickelter Staaten, jenseits der eigenen Grenzen unterentwickelte Gebiete politisch, wirtschaftlich und kulturell zu beherrschen). So kommt es, dass man mit dem Imperialismus heute auch eine Zeitepoche verbindet (1880-1914), wo europäische Großmächte ihre Kolonien expansiv ausweiteten und dabei in gegenseitiger Konkurrenz standen (deshalb antagonistische Expansion). Der Antagonismus (unversöhnlicher Widerspruch bzw Gegensatz, Vergleich Bourgeoisie & Proletariat) ist dafür verantwortlich, dass im Zuge des Imperialismus keine Monopolstellung zustande kam und auch kein einheitlicher Weltimperialismus entstand, weshalb die nationalstaatlichen Widersprüche der ersten ökonomischen Globalisierung in den I.Weltkrieg mündete. Großmächte brauchten Kolonien, um genügend Prestige zur Anerkennung zu haben.
Der I.Weltkrieg war deshalb eine historische Notwendigkeit, da ddie kapitalistische Ökonomie 1914 eine große Blase war, welche durch den Krieg geplatzt ist (Beginn der Weltwirtschaftskrise nicht 1929, sondern 1914). Der nationalstaatliche Wettbewerb und das Aufkommen der Spannungen begann allerdings erst in der 2. Phase des Imperialismus, denn solange noch genügend „freier Raum“ zur Verfügung stand, verstanden sich die imperialistischen Großmächte als „Freunde“ und konnten zu einer Deeskalation der Spannungen beitragen.
Diese ökonomische Blase kam auch deshalb zustande, weil der im Imperialismus entstandene Nationalismus Staaten zwang, auch wenig ertragreiche Kolonien zu okkupieren, nur um den Ruf als Großmacht zu festigen. Die politische Eroberung verschiedener Kolonien war ökonomisch kontraproduktiv (Verwaltung & Besatzung > wirtschaftlicher Ertrag, Ressourcenausbeutung), da die Spekulation nach Gewinn ein größerer Antrieb war als nüchterne wirtschaftliche Einschätzungen (→ Spekulationsblase → ökonomische Instabilität → I.Weltkrieg). Der ökonomische Unsinn des Protektionismus durch Imperialismus beweist die Tatsache, dass für jedes imperialistische Land der Tauschhandel und die Kapitalinvestitionen mit ihren Kolonien nur eine sekundäre Rolle spielte, primär war immer noch der Handel mit den Nationalstaaten untereinander (Import und Export mit Kolonien reichte nie über 20%, Frankreich investierte mehr Kapital in Russland als in seinen Kolonien). Bevor der imperialistische Antagonismus in den I.Weltkrieg mündete, stand 84,4% der Erdoberfläche unter weißer Herrschaft, 1/5 der Weltfläche waren Kolonien. Das British Empie besaß 30 Millionen Km², Frankreich 8 Millionen Km² und Deutschland 3 Millionen Km² (2010: 357.023 Km²).
1914 ist die kapitalistische Weltordnung zusammengebrochen. Das nahm die Form eines Krieges an, aber dem Ausbruch des militärischen Konflikts zwischen den europäischen Mächten lag der Zusammenbruch der ökonomischen Grundlagen zugrunde, auf denen die vorherige relative Stabilität beruht hatte.
Der kapitalistische Zusammenbruch von 1914 mündete in eine Epoche revolutionärer Kämpfe, obwohl das unmittelbar keineswegs offensichtlich war. Als Lenin 1915 die objektiven Bestandteile einer revolutionären Situation untersuchte, war sein Name erst wenigen Menschen bekannt. Gegen den Verrat der Sozialdemokraten, die sich hinter ihre jeweils eigene herrschende Klasse gestellt hatten, betonte Lenin, dass der Krieg die sozialistische Revolution auf die historische Tagesordnung gestellt hatte. Der Zusammenbruch des Kapitalismus ist nicht einfach eine Wirtschaftskrise. Er bedeutet den Beginn einer neuen Epoche, in der das Schicksal der Gesellschaft für die nächsten Jahrzehnte entschieden wird. Das Jahr 1914 signalisierte den ersten großen Zusammenbruch der kapitalistischen Ordnung.
Als die kapitalistische Wirtschaftsordnung bereits Ende des 19. Jahrhunderts stark wankte (Große Depression), konnte sie sich durch den ökonomischen Imperialismus retten. 1914 allerdings war die koloniale Aufteilung der Welt abgeschlossen, das Kapital hatte keine territoriale Rückzugsmöglichkeiten mehr. Der Markt war aufgeteilt, der Wettbewerb erreichte seine höchste Steigerungsform und von da ab versuchten die kapitalistischen Länder einander vom Staat nur mit mechanischen Mitteln zu vertreiben. Der Ausweg war nur der Weltkrieg, in der überflüssiges Produktionsmaterial vernichtet werden konnte und genügend Arbeitskräfte verschwanden, um das drohende Heer der Arbeitslosen zu verhindern. Der Weltkrieg war eine Revolte der Produktivkräfte gegen die nationalstaatliche Struktur des Weltkapitalismus. Der einzige weitere Ausweg wäre die Antwort der Proletariats auf die inneren Widersprüche des Kapitals gewesen – die soziale Revolution. Der Krieg beendete nicht den Aufschwung, vielmehr endete das Ende des Aufschwungs im Krieg, da die Prodktivkräfte in Europa sich nicht mehr unter gegebenen Umständen weiter entwickeln konnten.
Begründet wurde der Imperialismus mit einer kulturellen Überlegenheit der eigenen Rasse vor der unterworfenen Rasse (Sendungsbewusstsein & Überlegenheitsgefühl). Die Folgen des Wettlaufs um Kolonien war es, dass die Weißen kulturelle Gegebenheiten der afrikanischen Bevölkerung missachteten und die Grenzen per Bleistift und Lineal zogen, was noch heute zu erkennen ist. Außerdem zerstörten sie aufgebaute Wirtschaftsstrukturen, beuteten vorhandene Rohstoffe aus und nutzten die Kolonien als Absatzmärkte ihrer Produkte, es entstanden in den Kolonien Monokulturen. Dies wurde meist versucht mit einem friedenssichernden, missionarischen oder zivilisatorischen Willen zu verdecken.
Der Imperialismus entstand, als die Wirtschaftskrise von 1873 liberale Wirtschaftsgrundsätze vernichtete und einen Rückfall in das merkantilistische Denken brachte. So wurde wieder eine nationalstaatliche Zollgesetzgebung eingeführt und Wirtschaftsprotektionismus stand auf der Tagesordnung westlicher Industriestaaten. Dieser Protektionismus sollte durch koloniale Ausbeutung verwirklicht werden (neue Absatzmärkte, Rohstoffgebiete & Siedlungsgebiete). Der Imperialismus steht also im Zusammenhang mit demographischen, ökonomischen und nationalpsychologischen Gründen, wobei die Kolonien selbst nicht als Siedlungsland eine primäre Rolle spielten. Der Großteil der eigenen Bevölkerung wanderte nach Nordamerika aus (Ausnahme Russland).
Nicht selten behielten die neuen Absatzmärkte ihre politische Souveränität während dieser ersten Globalisierungswelle (zB China, welches weiterhin als selbstständiges Kaiserreich galt, aber so von imperialistischen Mächten ausgebeutet wurde, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts zum Boxeraufstand der Chinesen kam), was eine indirekte Herrschaft durch Marionettenregierungen und Verpflichtung zur wirtschaftlichen Gefolgschaft kennzeichnet.
Es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass eine imperialistische Außenpolitik von sozialer Instabilität im Innern ablenken sollte (Sozialimperialismus).
Die Entstehung des neuzeitlichen Kapitalismus war kein friedlicher, sondern ein zutiefst gewaltsamer Prozess, über dem Marx im „Kapital“ schrieb:
„Wenn das Geld mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt, so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend.“
Lenins Imperialismustheorie
Der Imperialismus ist ein
- monopolistischer Kapitalismus
- parasitärer oder stagnierender Kapitalismus
- sterbender Kapitalismus
Der Imperialismus hat den Zweck, die freie Konkurrenz auf dem Markt abzuschaffen zugunsten einzelner Monopolindustrien. Begründet wird die Theorie wie folgt:
- die Konzentration des Kapitals erreichte eine Stufe, auf der verschiedene Kartelle (Zusammenschluss selbstständig bleibender Unternehmen oder sonstiger Marktakteure zur Beschränkung ihres Wettbewerbs) und Trusts (vertraglich vereinbarter Zusammenschluss mehrerer Unternehmen) hervorgingen
- die monopolistische Stellungen verschiedener Großbanken ( 3-5 Großbanken beherrschen das Wirtschaftsleben der westlichen Industrienationen)
- der Besitzergreifung der Rohstoffquellen durch die Trusts und der internationalen Finanzoligarchie (Finanzkapital ist monopolistischen Industriekapital, welches mit dem Bankkapital verschmolzen ist)
- Die Verschmelzung der Bank- und Industriekapitals zum Finanzkapital
- die wirtschaftliche Aufteilung der Welt unter den internationalen Kartellen, welche den Weltmarkt beherrschen und diesen friedlich aufteilen
- die territoriale Aufteilung der Welt ist abgeschlossen. Die Ausbeutung der Kolonien verwandelt die zivilisierte Welt in einen Schmarotzer auf den Kolonien der unzivilisierten Völker.
Vor dem Imperialismus war es richtig zu sagen, die Gesellschaft lebt auf den Kosten des modernen Proletariats. Im Imperialismus ist es richtig zu sagen, eine privilegierte Schicht des Proletariats lebt zum Teil auf Kosten der Massen der nichtzivilisierten Völker.
Der Imperialismus ist der sterbende Kapitalismus, weil das aus dem Kapitalismus erwachsene Monopol das Absterben des Kapitalismus und den Übergang zum Sozialismus bedeutet.
Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion überhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die Großproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrängte, die großen Betriebe durch noch größere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daß daraus das Monopol entstand und entsteht, nämlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten. Zugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen über und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer Widersprüche, Reibungen und Konflikte. Das Monopol ist der Übergang vom Kapitalismus zu einer höheren Ordnung.
Bezug auf Deutschland
Nachdem das Deutsche Reich politisch entstand, entwickelte es sich schnell zu einer hegemonialen Industriemacht. Bismarck versuchte durch seine Außenpolitik keine Expansion Deutschlands vorzubereiten, sondern er vollführte eine konsequente Friedenspolitik, da Deutschlands Hegemonie nur relativ und damit instabil war. Ebenso verzichtete er auf einen kolonialen Wettbewerb, um Deutschland vor dem imperialistischen Antagonismus zu schützen (Deutsche Saturiertheit). Da die außenpolitischen Kämpfe und Richtungen sehr bald aber allein von imperialistischen Interessen geleitet wurde, war es für das Reich immer schwerer, sich aus dem Ringen kolonialer Expansion herauszuhalten. Die Forderung des deutschen Kleinbürgertums, des Bildungsbürgertums und des Adels nach einem Platz an der Sonne (Gründung des alldeutschen Verbandes 1891 als präfaschistischer Verein, der die theoretischen Grundlage für die Herrenrassen-Ideologie der späteren Nationalsozialisten legte) verschwierigte die Situation noch zusätzlich.
Abonnieren
Posts (Atom)